Dänisch

Lisa Tulaja

Doktorandin:
Lisa Tulaja, M.Ed.
l.tulaja@isfas.uni-kiel.de
Institut für Skandinavistik, Frisistik
und Allgemeine Sprachwissenschaft (ISFA)
Skandinavistik

Betreuer:
Prof. Dr. Steffen Höder
Institut für Skandinavistik, Frisistik
und Allgemeine Sprachwissenschaft (ISFA)
Skandinavistik

Ergebnisse Frühjahr 2018 (PDF)


“Dänisch als Nachbarsprache (dans)”

Aussprache macht einen Unterschied und muss im Schulunterricht explizit gefördert werden, konstatiert die aktuelle fremdsprachendidaktische Forschung (Dieling & Hirschfeld 2000, MacDonald 2002, Levis 2005, Derwing & Munro 2015). Auch die Fachanforderungen, die seit letztem Schuljahr für das Fach Dänisch in Kraft getreten sind, erheben diesen Anspruch und formulieren spezifische Ziele für die Aussprache von Schülerinnen und Schülern.

Zwar sind einzelne Probleme, wie das „weiche d“ [ð̞] in „hedder“ ([he̝ð̞ɐ], dt. heißen, flektiert), das Schülerinnen und Schüler stattdessen häufig als [l] realisieren, angehenden und bereits unterrichtenden Lehrkräften bekannt, jedoch sind die phonetischen Spezifika zahlreich und eine didaktisch fokussierte linguistische Aufbereitung fehlt bislang. Damit angehende Dänischlehrende im Rahmen einer fachspezifischen universitären Ausbildungsphase professionell auf die Voraussetzungen von Ausspracheförderung im Dänischunterricht vorbereitet werden können, bedarf es linguistisch und didaktisch vernetzter Grundlagenforschung. Diese unternimmt das dans-Projekt im Rahmen der Qualitätsverbesserung der universitären Ausbildung des CAU-LiB-Programms. Die Forschungsarbeit folgt dabei einem methodischen Dreischritt.

In der ersten Phase werden durch sprachvergleichende Analysen und Erfahrungsberichte von Lehrenden diejenigen phonetischen Phänomene ermittelt, die für deutschsprachige Lernende im Dänischen problematisch sind. Die anschließende Kategorisierung der Phänomene in Fehlergruppen eröffnet dann einen didaktischen Handlungsspielraum, der die allgemein vorherrschende imitatorische Methodik um kognitivistische Methoden erweitert.

Die zweite Forschungsphase beschäftigt sich mit dem Abgleich der theoretisch ermittelten Merkmale mit der Praxis. Anhand von Sprachaufnahmen von Schülerinnen und Schülern wird geprüft, ob die Aussprachefehler in der Lernersprache tatsächlich auffindbar sind.

Die dritte Phase des Projekts wird zeigen, ob und wie die Aussprachefehler sich auf die funktionale Dänischsprachigkeit – das finale Ziel schulischen Dänischunterrichts – auswirken und ob die Phänomene unterschiedlich zu gewichten sind. Um darüber Aussagen treffen zu können, werden Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern möglichst isolierte Fehler in natürlicher Lernersprache präsentiert und deren Bewertung als Grundlage für ein Fehlerranking genommen.

Das Projekt befindet sich momentan in der zweiten Phase und die Erhebung in den Schulen ist abgeschlossen. Das entstandene Korpus „Lernersprache Dänisch deutschsprachiger SchülerInnen“ stellt eine wichtige Grundlage für die Forschung, aber auch für die fachspezifische, praxisorientierte Ausbildung angehender Dänischlehrender dar. Anhand der Sprachaufnahmen der Schülerinnen uns Schüler ist es möglich, die professionelle Kompetenz im Bereich Aussprache sowohl auf fachwissenschaftlich linguistischer als auch auf fachdidaktischer Ebene im Sinne einer horizontalen Vernetzung zu fördern. Den Studierenden wird in projektbegleitenden Seminaren ermöglicht, anhand realer Beispiele Lernersprache zu analysieren und zu bewerten, Fehler einzuschätzen und didaktische Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Außerdem ist die Entwicklung studienbasierter Fortbildungskonzepte für bereits unterrichtende Lehrkräfte in Planung.

Das dans-Projekt ist klar auf den schulischen Dänisch-als-Fremdsprache-Unterricht und die spezifische professionelle Kompetenz angehender Dänischlehrender fokussiert. Die Ergebnisse und Methodik der Forschungsarbeit können allerdings auch für weitere kleine Fremdsprachen relevant sein, deren sprachliche Spezifika und wissenschaftliche Aufarbeitung häufig vernachlässigt bleiben.

 

Literaturangaben

Derwing, Tracey M. & Munro, Murray J. 2015. Pronunciation fundamentals. Evidence-based perspectives for L2 teaching and research. Amsterdam: Benjamins.

Dieling, Helga & Hirschfeld, Ursula. 2000. Phonetik lehren und lernen (Fernstudienangebot Deutsch als Fremdsprache und Germanistik). Berlin: Langenscheidt.

Levis, John M. 2005. „Changing Contexts and Shifting Paradigms in Pronunciation Teaching.” TESOL Quarterly 39, 369-377.

MacDonald, Shem. 2002. „Pronunciation – views and practices of reluctant teachers.” Prospect journal 17, 3-15.

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