Deutsch

Julia Landgraf

Doktorandin:
Julia Landgraf
landgraf@germsem.uni-kiel.de
Germanistisches Seminar
Deutsche Philologie/Didaktik
der deutschen Sprache

Betreuer:
Prof. Dr. Jörg Kilian
Germanistisches Seminar
Didaktik der deutschen Sprache

Prof. Dr. Michael Elmentaler
Germanistisches Seminar
Deutsche Sprachwissenschaft

Prof. Dr. Bernd Auerochs
Institut für Neuere Deutsche
Literatur und Medien

Prof. apl. Dr. Ulrich Kinzel
Institut für Neuere Deutsche
Literatur und Medien
Literaturdidaktik

Laufzeit des Projekts: 2015-2018
Ergebnisse Frühjahr 2018 (PDF)


“Lesen lehren lernen”

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts kann eine Aufteilung der Germanistik in die Teildisziplinen Sprach- und Literaturwissenschaft konstatiert werden, zu denen im Laufe des 20. Jahrhunderts die entsprechenden Didaktiken treten. Diese Ausdifferenzierung der Wissenschaftsdisziplinen hat Konsequenzen für die Lehrkräftebildung, in deren erster Phase an nahezu allen Universitäten in disziplinäre Teilbereiche getrennte Lehrveranstaltungen angeboten werden. Aus dieser institutionellen Trennung ergibt sich ein Defizit in der Lehrkräftebildung, welches auch in der Forschung vielfach konstatiert wird (Spinner 2000) und für das im germanistischen Teilprojekt „Lesen lehren lernen“ Lösungsversuche erarbeitet werden sollen.

Da sich der Themenbereich des Textverstehens besonders gut eignet (vgl. Zeck 1997), um sowohl die beiden germanistischen Fachwissenschaften als auch die beiden Fachdidaktiken zu vernetzen, wird dies in dem zu entwickelnden Lehrveranstaltungsmodell angestrebt. Die Zielsetzung des Projektes umfasst also folgende Teilziele:

  1. Aufzeigen von gegenstandsorientierten Vernetzungsmöglichkeiten von Sprach- und Literaturdidaktik und Sprach- und Literaturwissenschaft anhand von Modelltexten
  2. Entwicklung und Evaluierung einer vernetzten Lehrveranstaltung als Best-Practice-Beispiel
  3. Identifizierung von wichtigen Studienanteilen im Bereich Textverstehen

 

Die fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Teile des Professionswissens (vgl. COACTIV) sollen untereinander und miteinander vernetzt werden. Durch die Entwicklung eines Best-Practice-Seminars und daraus abgeleiteten Erkenntnissen, die in die Studiengangsentwicklung aufgenommen werden sollen, werden konkrete Verbesserungen für das Lehramtsstudium Deutsch im Bereich des Textverstehens erwartet.

Methodisches Vorgehen

  1. Theoriegeleitete Konzeption der ersten Lehrveranstaltung (Sommersemester 2016), welche in den folgenden Semestern immer weiterentwickelt werden
  2. Pilotierung der konzipierten Lehrveranstaltung im Wintersemester 2016/17 und im Sommersemester 2017
  3. Durchführung der Intervention mit Kontrollgruppe im Wintersemester 2017/18

Zur Evaluation bzw. Erfassung der Wissensentwicklung wurde folgendes Instrument eingesetzt:

Abb. 1: Beispiel einer Lesevignette (vgl. Rutsch/Dörfler 2017)

Ein quantitativ auszuwertender Lesevignettentest, der auf die Erfassung der lesedidaktischen Kompetenz der Studierenden abzielt (vgl. Rutsch / Dörfler 2017)

Ergebnisse der Pilotierung

Wintersemester 2016/17: Der Interventionsgruppe des verzahnten Seminars wurde eine Kontrollgruppe gegenübergestellt. Deskriptiv kann ein höherer Testscore der Interventionsgruppe konstatiert werden, wobei – aufgrund der kleinen Stichprobe – das Ergebnis nicht signifikant ist.

Sommersemester 2017: Die Interventionsgruppe wurde Prä- und Post mit dem Lesevignettentest befragt. Es konnte deskriptiv beim Post-Test ein höherer Testscore als beim Prä-Test beobachtet werden, was auf einen Wissenszuwachs hinweist. Das Ergebnis ist jedoch wiederum aufgrund der geringen Größe der Stichprobe nicht signifikant.

Erste inhaltliche Ergebnisse/Konsequenzen

  • Fachwissenschaft und Fachdidaktik können anhand eines konkreten Gegenstandes, einer konkreten Situation und mit Blick auf konkrete Subjekte sinnvoll verzahnt werden
  • die Perspektive jeder Disziplin auf den Gegenstand muss zunächst transparent gemacht werden, um in Folge dessen Verzahnungsprozesse anstoßen zu können
  • Initiierung von „pädagogische[n] Doppeldeckersituationen“ (Czycholl & Geißler, 1985, 76), die als Anstoß zur Reflexion genutzt werden können
  • analog zu den Erkenntnissen fächerverbindenden/-übergreifenden Unterrichts: Schlüssel- bzw. Verstehensprobleme dienen als Ausgangspunkt der Verzahnung (vgl. Rabenstein 2003)
  • Prozessorientierung, Partizipation und Transparenz durchziehen die Seminarsitzungen, da diese zur Anbahnung einer Lehrkompetenz von Studierenden relevant sind (vgl. Leiß 2015, 166)

Abb. 2:

 

 

Abb. 3:

Abb. 4:

 

 

 

 

Literaturangaben

Czycholl, Reinhard / Geißler, Karlheinz A.: Dozentenqualifizierung. Konzepte und Maßnahmen zur pädagogischen Qualifizierung von Mitarbeitern in der Erwachsenenbildung, Linz 1985.

Leiß, Judith: Partizipation, Prozessorientierung, Transparenz. Koordinaten einer Hochschuldidaktik zur Förderung der Kompetenzorientierung angehender Lehrkräfte, in: Bresges, André / Dilger, Bernadette / Hennemann, Thomas / König, Johannes / Lindner, Heike / Rohde, Andreas / Schmeinck, Daniela (Hrsg.): Kompetenzen perspektivisch. Interdisziplinäre Impulse für die LehrerInnenbildung, Münster 2015, S. 164–170.

Rabenstein, Kerstin: In der gymnasialen Oberstufe fächerübergreifend lehren und lernen. Eine Fallstudie über die Verlaufslogik fächerübergreifenden Projektunterrichts und die Erfahrungen der Schüler, Opladen 2003.

Spinner, Kaspar H.: Zum Verhältnis von Sprach- und Literaturdidaktik in der Deutschlehrerausbildung. Spezialisierung in der Deutschdidaktik, in: Förster, Jürgen (Hrsg.): Wie viel Germanistik brauchen DeutschlehrerInnen. Fachstudium und Praxisbezug, Kassel 2000, S. 195–208.

Zeck, Jürgen: Integration des germanistischen Grundstudiums Themenbereich Textverstehen, in: Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes. Literaturwissenschaft und Linguistik. Konsequenzen aus Kooperationen und Konfrontationen seit den 60er Jahren? 44, Heft 3 (1997), S. 84–94.

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