Berufs- und Wirtschaftspädagogik

Doktorandin:
Esther Radde, M.A
radde@paedagogik.uni-kiel.de
Institut für Pädagogik
Berufs- und Wirtschaftspädagogik

Betreuerin:
Prof. Dr. Andrea Burda-Zoyke
Institut für Pädagogik
Berufs- und Wirtschaftspädagogik

 

Ergebnisse Frühjahr 2018 (PDF)


“Lehramt in Bewegung – Lehrerbildung zum Übergang Schule-Beruf”

Das LiB-Projekt „Lehrerbildung zum Übergang Schule-Beruf“ aus der Abteilung der Berufs- und Wirtschaftspädagogik des Instituts für Pädagogik an der CAU zu Kiel, geleitet durch Frau Prof. Dr. Andrea Zoyke und in wissenschaftlicher Mitarbeit durch Frau Esther Radde, M.A. begleitet, nimmt sich der Herausforderung an, für Studierende verschiedener Studiengänge ein Lehrangebot zu entwickeln und zu evaluieren, das Lehrkräfte an allgemeinen und beruflichen Schulen sowie Pädagoginnen und Pädagogen zur professionellen Förderung und Begleitung von Jugendlichen im Übergang Schule – Beruf ausbildet. Da Studierende während des Studiums bisher kaum auf dieses Aufgabenfeld, insbesondere der Förderung und Begleitung Jugendlicher im Berufsorientierungsprozess, vorbereitet werden, sollen im Rahmen des Projektes die Kompetenzen der Studierenden mit Profil des Handelslehrers, welches zum Lehramt an berufsbildenden Schulen berechtigt, des Lehramts Gymnasium/ Gemeinschaftsschule und der Pädagogik in Hinblick auf die Professionalisierung ausgebildet werden.

Forschungsstand

Der Arbeits- und Berufsbildungsmarkt erfährt seit geraumer Zeit eine Veränderung, die nicht nur die Jugendlichen in ihrer Berufsorientierung betrifft, sondern auch das pädagogische Personal, welches die jungen Erwachsenen in ihrem Prozess der Berufsorientierung professionell fördern und begleiten soll (Schaffner, Ryter 2013).

Es verlangt nach neuer Verbindlichkeit und Fachlichkeit in der Qualifizierung des pädagogischen Personals, damit die Aufgaben und Anforderungen, Jugendliche in ihrer beruflichen Orientierung adäquat zu beraten und zu fördern, in der Praxis entsprechend umgesetzt werden können. Der Übergang Schule-Beruf ist als komplexes Handlungsfeld zu betrachten, welches besondere qualifikatorische Voraussetzungen des pädagogischen Personals verlangt (ebd.).

In der Praxis des Übergangsfeldes zeigt sich eine hohe Heterogenität an fachlichem Personal mit verschiedenen beruflichen Qualifikationen, die je nach Auftraggeber, Zuständigkeiten oder Zielgruppen vor die anspruchsvollen Aufgaben im Übergang Schule-Beruf gestellt werden (Schaffner, Ryter 2013). Die Bedeutsamkeit des pädagogischen Personals im Berufsorientierungsprozess zeigt sich an einer Reihe von repräsentativen Studien, die die soziale Unterstützung während des Prozesses der Berufsorientierung untersucht haben (Gebhart et al. 2015).

Speziell wird die Kooperation und Vernetzung unterschiedlicher schulischer und außerschulischer Akteure benötigt, um gemeinsam mit dem Jugendlichen eine realistische Bildungsperspektive und -begleitung entwickeln zu können, die system- und ressourcenorientiert ist und die über einen kontinuierlichen Zeitraum aufgebaut werden kann (Bylinski 2014). Eine Individuelle Bildungs- und Übergangsbegleitung ist geprägt von einer Vielfalt an beteiligten Akteuren, für die es gilt, das Handlungsfeld Übergang Schule-Beruf miteinander zu verknüpfen. Daneben ist es entscheidend, dass eine Abstimmung des professionsübergreifenden Handelns mit dem Zugeständnis der Handlungslogik jeder Institution erfolgt, die im Berufsorientierungsprozess involviert ist (ebd.). Aktuell kann die Zusammenarbeit der pädagogischen Fachkräfte in ihren jeweiligen Institutionen (Schule, Bildungsträger, Betrieb etc.) zwar als in einem unmittelbaren Arbeitszusammenhang stattfindende Tätigkeit beschrieben werden, jedoch wird in jedem Teilbereich eine eigene Zielsetzung, Problem- und Aufgabenstellung verfolgt, die die Notwendigkeit von abgestimmtem Handeln umso mehr unterstreicht (Bylinski 2014).

Die geschilderte Problemlage zieht weitreichende Konsequenzen mit sich, die sich auf theoretischer und praktischer Ebene der Ausbildung von Lehrkräften und Pädagoginnen und Pädagogen auswirken sollten. Der Forschungsstand verdeutlicht die Notwendigkeit von professioneller Qualifizierung der Lehrpersonen und Pädagoginnen und Pädagogen im Bereich der Berufsorientierung (Dreer 2013, Vergleich hierzu auch bei Bylinski 2014).

Aktueller Stand

Die sukzessive Konzeption und Umsetzung des Lehrangebots basiert auf gemeinsamen Aufgaben und Anforderungen der verschiedenen Professionen und auf Grundlage einer professionsübergreifenden Leitidee, die sowohl die Lehrkräftebildung als auch die Ausbildung der Pädagoginnen und Pädagogen integriert. Daher wird das Lehrangebot mit verschiedenen methodischen Umsetzungen und mit Fokus auf die multiprofessionelle Zusammenarbeit, begleitet durch eine fortwährende Weiterentwicklung bis zum Projektende, durchgeführt.

Forschung und Entwicklung des Lehrangebots vollziehen sich im „Design-Based Research“. Kernidee des Ansatzes ist das Bedürfnis, Lernphänomene in realen Situationen zu untersuchen, dabei über enge Messkriterien hinauszugehen und das Design in den wissenschaftlichen Prozess aufzunehmen.

In unserem Fall bedeutet dies:

Forschungs- und Entwicklungsfragen sowie Zielsetzung

  1. Wie kann ein erstrebenswertes Ziel (Förderung der Kompetenzen der Studierenden) in einem gegebenen Kontext (Studium des Lehramts und der Pädagogik an der CAU) durch eine noch zu entwickelnde Lösung (innovatives Lehrangebot) erreicht werden?
    → Entwicklung eines Lehrangebots für Studierende des Lehramts und der Pädagogik zur Förderung und Begleitung von Jugendlichen im Übergang Schule – Beruf
  2. Unter welchen Bedingungen kann die entwickelte Intervention auch in anderen Kontexten (z.B. an anderen Universitäten) zum Erreichen vergleichbarer Ziele eingesetzt werden?
    → Gewinnung von Gestaltungsprinzipien für vergleichbare Lehrveranstaltungen sowie zur Entwicklung und Implementation derselben in das Studium (bereichsspezifische wissenschaftliche Theorien)

Der Forschungsprozess vollzieht sich in mehreren miteinander verzahnten Zyklen, wodurch eine fortwährende Weiterentwicklung der Lehrveranstaltung und eine vertiefende theoretische Erkenntnisgewinnung möglich werden.

Forschung und Entwicklung erfolgen zum einen auf der Basis wissenschaftlicher Theorien und zum anderen unter Berücksichtigung des Praxiskontextes.

Die Abbildung zeigt den Ablauf der miteinander verzahnten Zyklen, der sich während des gesamten Forschungsprozesses kontinuierlich wiederholt.

Abb. 1: Design-Based-Research

 

Abb. 2: Übersichtsposter zum Projekt

Literaturangaben

Bylinski, U. (2014). Multiprofessionelle Zusammenarbeit als neue Herausforderung für die pädagogischen Fachkräfte. In Ryter A., Schaffner D. (Hrsg.), Wer hilft mir, was zu werden? – Professionelles Handeln in der Berufsintegration. S. 104-116. Bern: hep verlag ag.

Dreer, B. (2013). Kompetenzen von Lehrpersonen im Bereich Berufsorientierung – Beschreibung, Messung und Förderung. Wiesbaden: Springer VS.

Gebhart, A. et al. (2015). Relevanz, Nutzungshäufigkeit und eingeschätzte Nützlichkeit unterschiedlicher Unterstützungsangebote aus Sicht von Jugendlichen während des Berufsorientierungsprozesses. In bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online, Ausgabe 27, S. 1-24. http://www.bwpat.de/ausgabe27/gebhardt_etal_bwpat27.pdf  [09.06.2017]

Schaffner, D., Ryter, A. (2013). Aufgabenstellung und Professionalitätsentwicklung des pädagogischen Personals in der Studien- und Berufsorientierung – Konsequenzen für die Aus- und Weiterbildung. In Brüggemann & Rahn (Hrsg.), Berufsorientierung – Ein Lehr- und Arbeitsbuch, S.357-366. Münster, New York, München, Berlin: Waxmann Verlag GmbH.

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