Psychologie für Pädagogen

Doktorand:
Nils Machts, Dipl.-Psych.
nmachts@ipl.uni-kiel.de
Institut für Pädagogisch-Psychologische
Lehr- und Lernforschung (IPL),
Psychologie für Pädagogen

 

 

 

Betreuer:
Prof. Dr. Jens Möller
Institut für Pädagogisch-Psychologische
Lehr- und Lernforschung (IPL),
Psychologie für Pädagogen,
Zentrum für Lehrerbildung

Ergebnisse Frühjahr 2018 (PDF)


“Diagnostische Kompetenz interdisziplinär fördern: Entwicklung und Evaluation von Lehrmodulen in Kooperation von Psychologie und Fachdidaktiken”

Wer ist in Kooperationsprojekten an dem Vorhaben beteiligt?

  • Pädagogische Psychologie und Fachdidaktik Englisch
    • Psych. Thorben Jansen, CAU, IPL
    • MA Cristina Vögelin, Prof. Dr. Stefan Keller, FHNW Basel, Englischdidaktik und ihre Disziplinen
    • Dr. Susanne Heinz, CAU, Englisches Seminar
    • Andréa Riedel, IQSH, Landesfachberatung und Koordination Fortbildung Englisch
  • Pädagogische Psychologie und Fachdidaktik Biologie
    • Psych. Julia Walter, CAU, IPL
    • Ed. Julian Fischer, Prof. Dr. Ute Harms, IPN, Didaktik der Biologie
  • Fachdidaktik Deutsch
    • A. Julia Landgraf, Prof. Dr. Jörg Kilian, CAU, Germanistisches Seminar
  • Fachdidaktik Mathematik
    • Dr. Aiso Heinze, IPN, Didaktik der Mathematik

Welche Idee liegt dem Vorhaben zu Grunde und was ist der konkrete Nutzen des Vorhabens für LA-Studierende an der CAU?

Es soll die Förderung der diagnostischen Kompetenz von Lehramtsstudierenden entwickelt und evaluiert werden. Die Trainingsmodule beinhalten theoretische und praktische Elemente und verknüpfen generische und fachdidaktische Wissensaspekte. Das fachübergreifende Training wendet sich an Lehramtsstudierende aller Fachrichtungen und fördert unter Berücksichtigung fachlicher Aspekte die generischen Aspekte diagnostischer Kompetenz. Das fachspezifische Training soll für die am Projekt beteiligten Fachdidaktiken der Fächer Biologie, Deutsch und Englisch die diagnostische Kompetenz in Bezug auf argumentative Schülertexte fördern und damit einen Bereich aufgreifen, der fachübergreifend relevant ist und zu dem entsprechende Vorarbeiten aus der Pädagogischen Psychologie und den beteiligten Fachdidaktiken vorliegen. Die Module sollen nach Abschluss des Projektes in den pädagogisch-psychologischen Teil des Lehramtsstudiums einfließen.

Wie ist der Stand der Forschung?

Die diagnostische Kompetenz gilt als zentraler Aspekt der professionellen Kompetenz von Lehrkräften (Baumert & Kunter, 2006). Auch die bildungswissenschaftlichen Standards für die Lehrerbildung der KMK aus dem Jahr 2004, an denen sich das Lehrerleitbild der CAU orientiert, verlangen im Kompetenzbereich Beurteilen, dass Lehrerinnen und Lehrer Lernvoraussetzungen und Lernprozesse von Schülerinnen und Schülern diagnostizieren können. Die diagnostische Kompetenz wird vor allem aus pädagogisch-psychologischer Sicht häufig als Akkuratheit der Urteile über Schülerinnen und Schülerleistungen operationalisiert (Südkamp et al., 2012). Die Rangkorrelationen zwischen Schülerinnen-/Schülerleistung und Lehrerinnen-/Lehrerurteil liegen im zufriedenstellenden Bereich, Beurteilungen anderer Schülervariablen werden ungenauer beurteilt.

Wie wird vorgegangen und inwiefern findet im Vorhaben eine Vernetzung verschiedener Wissensbereiche statt?

Das fachübergreifende Training beginnt mit der Vermittlung von Wissen zu möglichen Beeinträchtigungen der Qualität diagnostischer Urteile. Dazu werden Gütekriterien diagnostischer Urteile, Beobachtungsmängel, Erinnerungsfehler (Vergessen, Hinzufügen), Urteilstendenzen (Milde, Strenge), Erwartungseffekte (durch Stereotype) und Sympathie/Antipathie thematisiert. Anschließend werden zusätzlich fachspezifische Aspekte von Lehrerbeurteilungen angesprochen, bevor der Abschluss des diagnostischen Prozesses mit pädagogischen Anschlusshandlungen diskutiert wird. Im praktischen Teil werden u. a. Übungen zur Bezugsnorm der Studierenden, vor allem aber Übungen zur Reflexion über eigene Urteilstendenzen mit den Computersimulationen durchgeführt.

In den fachspezifischen Trainings werden zusätzlich zu pädagogisch-psychologischem Wissen Kenntnisse zur Diagnostik von Schülerinnen- und Schülertexten vermittelt. Für den praktischen Teil werden argumentative Schülertexte, die systematisch in ihren Merkmalen variieren, in das Schülerinventar integriert. Die Studierenden lesen die Texte und beurteilen sie insgesamt und bezüglich fachdidaktischer Kriterien im Schülerinventar. Die Studierenden bekommen Rückmeldung über ihre individuellen Beurteilungsmuster und ihre Beurteilungsgenauigkeit. Die Integration von Schülertexten stellt eine substantielle Erweiterung des Instrumentes dar, die deren externe Validität erhöht.

Wie ist der aktuelle Stand des Vorhabens? Gibt es erste Ergebnisse?

Es wurde eine fachübergreifende Lehreinheit zur Vermittlung von Wissen über diagnostische Urteile entwickelt. Dieses wurde erstmals im Sommersemester 2016 eingesetzt und wird seitdem laufend aktualisiert und in Seminaren des Moduls Pädagogische Psychologie eingesetzt.

Für den fächerübergreifenden Einsatz wurde ein Trainingsinstrument zur Textbeurteilung entwickelt. Es wurden authentische Texte aus dem Fach Ethik und der 10. Klassenstufe von uns so angepasst, dass in jeder Seminareinheit Texte auf der gleichen Textbasis mit unterschiedlicher Textoberfläche beurteilt wurden. Es konnten reziproke Generalisierungseffekte der Textoberflächenmerkmale und der Texttiefenmerkmale auf die jeweiligen Urteile gezeigt werden. Die Effekte wurden anschließend im Seminar besprochen.

Ebenfalls für den fächerübergreifenden Einsatz wurde ein Instrument zur gemeinsamen Beurteilung der Fachleistung und des fachlichen Selbstkonzeptes entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Beurteilungsaufgabe, bei der ein Klassensatz an Schülervignetten mit Informationen zu vorausgegangener mündlicher und schriftlicher Leistung sowie zu leistungsbezogenen fachlichen Selbsteinschätzungen im Fach Mathematik dargeboten werden. Anhand dieser Informationen soll die Fachleistung, das Fähigkeitsselbstkonzept und der Abstand von Selbstkonzept und Leistung der Schülerinnen und Schüler von den Seminarteilnehmenden beurteilt werden. Es konnte gezeigt werden, dass sich die Fähigkeitsselbsteinschätzung über die tatsächliche Leistung hinaus positiv auf die Beurteilung auswirkt, während die tatsächliche Leistung sich über die Fähigkeitsselbsteinschätzung hinaus negativ auf die Beurteilung der Fähigkeitsselbsteinschätzung auswirkt. Außerdem zeigte sich, dass sowohl Schülerinnen und Schüler, die sich überschätzen, als auch Schülerinnen und Schüler, die sich unterschätzen, positiver beurteilt werden als Schülerinnen und Schüler, die ihre eigene Leistung akkurat einschätzten. Das Instrument wird derzeit mit einer neuen Coverstory weiterentwickelt und im kommenden Semester zu Trainingszwecken eingesetzt.

Für den fachspezifischen Einsatz wurde im Rahmen des Kooperationsprojektes ASSET ein Trainingsinstrument zur Beurteilung von englischen Texten entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Beurteilungsaufgabe von authentischen argumentativen Essays aus dem Fach Englisch und der 10. Klassenstufe. Die authentischen Texte wurden von uns so angepasst, dass die Seminarteilnehmenden vier Texte beurteilen sollten, von denen zwei Texte von hoher und zwei Texte von niedriger Gesamtqualität waren. Innerhalb der Qualitätsstufen sahen die Teilnehmenden jeweils einen Text mit guter Rechtschreibung und einen Text mit schwacher Rechtschreibung. Das Trainingsinstrument wurde sowohl im Rahmen fachdidaktischer Seminare an der CAU Kiel, als auch an der FHNW Basel eingesetzt. Es konnte gezeigt werden, dass die Rechtschreibung sich auf die globale und die analytische Beurteilung spezifischer Textmerkmale auswirkt. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass ein einfacher Hinweis zu Beginn der Aufgabenstellung bezüglich der Urteilspezifität für die Rechtschreibung den Einfluss der Rechtschreibung auf die Beurteilung anderer spezifischer Textmerkmale reduziert.

2 Kommentare zu “Psychologie für Pädagogen

  1. Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber mehr Fachchinesisch scheint mir nicht mehr möglich zu sein. Was bitte ist “die globale und analytische Beurteilung spezifischer Textmerkmale”?
    Was soll Lehrern diese Untersuchung bringen? Dass Texte nie objektiv bewertet werden, ist doch ein alter Hut. Das man deshalb sehr selbstkritisch beim Korrigieren von Aufsätzen sein muss, auch.
    Ich liebe übrigens klare, verständliche Texte, die sich gut analysieren lassen. Ihre Darstellung zählt nicht dazu.
    Mit freundlichem Gruß

    1. Vielen Dank für Ihre Nachricht, ich freue mich, dass sie sich für unsere Forschung zur diagnostischen Kompetenz interessieren.

      Zunächst zu ihrer Anmerkung, die vielleicht auch für andere Interessierte von Belang sein könnte: Bei der globalen Beurteilung handelt es sich um die gesamtheitliche Beurteilung einer Schülerarbeit. Diese ist häufig vergleichbar mit der Note, die für eine Arbeit vergeben wird. Bei analytischen Beurteilungen handelt es sich um die Beurteilung einzelner voneinander unterscheidbarer Merkmale in einer Schülerarbeit. Bei einem von Schülerinnen oder Schülern verfassten Text können dies zum Beispiel die Beurteilung der Orthographie und die Beurteilung des Inhalts sein.

      Insgesamt halte ich die Untersuchung und die Einordnung der Bedeutsamkeit von dem Einfluss einzelner Textmerkmale auf die Gesamtbeurteilung oder für die Beurteilung spezifischer anderer Textmerkmale für sinnvoll. Die weitreichende Forschungstradition zur Objektivität von Lehrerurteilen ist dabei sehr bereichernd für unsere eigene Forschung. Dass wir bei erfahrenen Lehrkräften heute oft voraussetzen können, dass sie sich der Problematik von Urteilsheuristiken bewusst sind, kann als eine Errungenschaft der empirischen Studien in diesem Bereich gesehen werden.

      In der Lehre möchten wir unseren Studierenden Anhaltspunkte auf den Weg geben, die sie bei der Beurteilung von Schülerarbeiten unterstützen und dafür wissenschaftliche Befunde aus unserer Forschung nutzbar machen. In dem Bereich kriteriengeleiteteter Leistungsdiagnostik in der Schule besteht noch immer sehr viel Potential für weitere Forschung und deren Integration in der universitären Lehre sowie in Fortbildungen für erfahrene Lehrkräfte. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der besonderen Bedeutsamkeit von Urteilen und Entscheidungen von Lehrkräften für die Bildungskarrieren der Schülerinnen und Schüler in Deutschland.

      Viele Grüße

      Nils Machts

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