Sport

Mareike Setzer

Doktorandin:
Mareike Setzer
sportpaedagogik@email.uni-kiel.de
Institut für Sportwissenschaft der CAU

Betreuer:
Prof. Dr. Jan Erhorn
Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften
Osnabrück, Arbeitsbereich Sport und Erziehung

Dr. Johannes Wohlers
Institut für Sportwissenschaft der CAU
Abteilung Angewandte Sportwissenschaft

Prof. Dr. Manfred Wegner
Institut für Sportwissenschaft der CAU
Abteilung Sportpsychologie und Institutsleitung

Ergebnisse Frühjahr 2019 (PDF)


“Kasuistische Unterrichtsanalyse in der Sportwissenschaft”

Das Teilprojekt des Instituts für Sportwissenschaft „Kasuistische Unterrichtsanalyse in der Sportwissenschaft“ im Projekt „Lehramt in Bewegung“ soll als langfristige Zielperspektive zur Professionalisierung angehender Sportlehrkräfte im Kontext der ersten Phase der Lehrkräftebildung an der Universität beitragen. Das Forschungsvorhaben wird von Jan Erhorn (Professor am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften Osnabrück, Arbeitsbereich Sport und Erziehung), Johannes Wohlers (Institut für Sportwissenschaft der CAU, Abteilung Angewandte Sportwissenschaft), Manfred Wegner (Institut für Sportwissenschaft der CAU, Abteilung Sportpsychologie und Institutsleitung) und der Projektmitarbeiterin (Mareike Setzer, Institut für Sportwissenschaft der CAU) durchgeführt.

Abb. 1: Unterrichtsvideografie

Ausgangspunkt des Projektes ist die Analyse von Anforderungssituationen an Sportlehrkräfte in ihrem alltäglichen Unterricht. Wenn ein genaues Bild darüber besteht, welchen Situationen Lehrkräfte in ihrem Unterrichtsalltag begegnen, kann entschieden werden, welches Wissen und Können sie im Zuge ihrer Ausbildung erwerben sollten. Unter Annahme eines integrativen Kompetenzverständnisses (Blömeke, Gustafson & Shavelson, 2015) werden Fälle von Anforderungssituationen in einem Promotionsvorhaben rekonstruiert. Es wird dabei auf situationsspezifische Fähigkeiten, dahinterstehende Wissensbestände und Überzeugungen der Lehrkräfte geschlossen. Die Studie ermittelt Anforderungssituationen auf der Basis von sechzig videografierten Unterrichtstunden examinierter Sportlehrkräfte an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein.

Methodologisch liegt der Studie eine qualitative Anlage zugrunde. Die ethnographisch erhobenen Daten werden induktiv durch drei aufeinander aufbauende Operationen analysiert und interpretiert. Im ersten Schritt wird das Datenmaterial offen kodiert, um dieses aufzubrechen. Es werden Fälle von Anforderungssituationen gewonnen, die im Anschluss theoriegeleitet ausgelegt werden. Zuletzt soll durch ein vergleichendes und kontrastierendes Vorgehen ein Kategoriensystem herausgearbeitet werden. Durch die Analyse und Interpretation von Anforderungssituationen ist es möglich, bestehende Unterrichtsmodelle der Sportwissenschaft fachspezifisch auszudifferenzieren, sodass zahlreiche Vernetzungsmöglichkeiten zwischen Lehrveranstaltungen in der Sportwissenschaft entstehen.

Der Forschungsstand wird zum einen durch die Arbeit von Karlheinz Scherler (2004) markiert, der durch 68 beobachtete Unterrichtsstunden und Schilderungen über diese eine Unterrichtslehre entwickelt hat, die sich am Handeln von Lehrkräften  orientiert. Scherler verfolgt das Ziel der Entwicklung eines Strukturmodells und entwirft den didaktischen Stern, der mit den Anforderungen an die Lehrkräfte, Bedingungen zu organisieren, mit Schülerinnen und Schülern zu interagieren und Inhalte zu präsentieren auf einer allgemeinen Ebene bleibt (vgl. Scherler, 2004). In dem Projekt „Kasuistische Unterrichtsanalyse in der Sportwissenschaft“ werden die Anforderungssituationen auf einem inhaltlich konkreteren Abstraktionsniveau benannt, wie zum Beispiel die Anforderungssituation „Selbstständige Lernformen organisieren“. Zum anderen bildet das Forschungsprogramm „Professional Minds“ um Oser (2015) einen weiteren elementaren Ausschnitt des Forschungsstandes zur Entwicklung von Anforderungssituationen. Oser (2015) entwickelt Kompetenzprofile durch eine Quasi-Delphi Befragung von Schweizer Berufsschullehrkräften und zeigt gleichzeitig auch eine Problematik dieses Verfahrens auf, da die Lehrkräfte in der Befragung ausschließlich besonders kritische Situationen benannt haben und basale Situationen des Unterrichts auf diesem Weg nicht herauszufinden waren. An der Stelle bietet die videografisch gestützte Erhebungsmethode dieser Studie einen Vorteil.

Im Forschungsprozess ist die Erhebungsphase mit sechzig videografierten Unterrichtsstunden nahezu abgeschlossen. Einige Videos wurden ausgewertet und deuten als vorläufige Ergebnisse sowohl auf fachübergreifende Anforderungssituationen wie den „Umgang mit Störungen“ oder „Hilfestellung bei selbstständigen Arbeitsformen“, als auch auf sportspezifische Anforderungssituationen wie „einen Wettkampf organisieren“ hin. Das weitere Vorgehen umfasst die Auslegung der kodierten Unterrichtssituationen und die Entwicklung einer Systematik von Anforderungssituationen mit dem Ziel, Anforderungssituationstypen zu generieren. Neben der unmittelbaren Zielsetzung des Projektes, die in der Abbildung 1 erkennbar ist, soll das Projekt einen Mehrwert für die universitäre Lehre liefern.

Abb. 2: Aus den im Projekt erschlossenen Fallbeispielen lassen sich im Weiteren Perspektiven zur Integration von Fallarbeit im Lehramtsstudium erschließen.

Der Beitrag der Studie zur Professionalisierung angehender Sportlehrkräfte, lässt sich in der Nutzung eines erschlossenen Datenkorpus videografierter und authentischer Unterrichtsituationen verorten. Zum Beispiel könnte durch die Entwicklung eines systematischen Verfahrens einer kasuistischen Unterrichtsanalyse, ein Tool geschaffen werden, das im Rahmen der Fachdidaktik oder fachwissenschaftlichen Veranstaltungen an der Universität einsetzbar ist. Der Umgang mit authentischen Unterrichtssituationen unter Einbeziehung theoretisch gelehrter Inhalte fördert die Vernetzung von universitärer Lehre und schulischer Praxis. Darüber hinaus ermöglicht die videobasierte Auseinandersetzung mit unterrichtlicher Praxis einen zusammenführenden Umgang pädagogischen, fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Wissens und zeigt die Chance einer Vernetzung der Fachdidaktik, Bildungs- und Fachwissenschaft.

 

Literaturangaben

Blömeke, S., Gustafsson, J.-E. & Shavelson, R.J. (2015). Beyond Dichotomies. Competence Viewed as Continuum. Zeitschrift für Psychologie, 223 (1), 3–13.

Oser, F. Bauder, T., Salzmann, P. & Heinzer, S. (2013). Ohne Kompetenz keine Qualität (S. 9-26). Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Scherler, K. (2004). Sportunterricht auswerten. Eine Unterrichtslehre. Hamburg: Czwalina.

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