Päd. Psych./Inklusion und Heterogenität

Doktorandin:
Sonja Krämer, Dipl.-Psych.
skraemer@ipl.uni-kiel.de
Institut für Pädagogisch-Psychologische
Lehr- und Lernforschung (IPL),
Pädagogisch-Psychologische Diagnostik
als Grundlage von Inklusion und Heterogenität

 

 

Betreuerin:
Prof. Dr. Friederike Zimmermann
Institut für Pädagogisch-Psychologische
Lehr- und Lernforschung (IPL),
Pädagogisch-Psychologische Diagnostik
als Grundlage von Inklusion und Heterogenität

 

 

Ergebnisse Frühjahr 2019 (PDF)


“Heterogenität im Klassenraum”

Dieses Teilprojekt widmet sich dem Themenkomplex Inklusion und Heterogenität in der Schule. Entsprechend eines weiten Inklusionsverständnisses werden dabei neben verschiedenen Behinderungen auch weitere Heterogenitätsdimensionen eingeschlossen, wie z. B. Geschlecht, Migrationshintergrund, Verhaltensauffälligkeiten und psychische Störungen, aber auch Begabungen und Talente der Schülerinnen und Schüler (SuS; HRK & KMK, 2015). Die zugrundeliegende Idee für mein Promotionsvorhaben ist dabei im Wesentlichen die Erforschung von Effekten der Inklusion und von Heterogenität im Klassenraum, wobei die wissenschaftlichen Erkenntnisse wiederum systematisch in der Lehre im Lehramtsstudium berücksichtigt werden sollen. Des Weiteren beschäftige ich mich mit inklusiver Hochschullehre im Lehramtsstudium und ihrer systematischen Evaluation.

Urteilsgenauigkeit in inklusiven Unterrichtssettings

In Studien zur Urteilsgenauigkeit von Lehrkräften konnten u. a. heterogenitätsbezogene leistungsirrelevante Merkmale der SuS als relevante Einflussfaktoren auf Leistungsbeurteilungen identifiziert werden (vgl. Südkamp, Kaiser & Möller, 2012). Beispielsweise wurde eine Leistungsunterschätzung von SuS mit störendem Verhalten im Vergleich zu SuS ohne störende Verhaltensweisen gezeigt. Die Klassenzusammensetzung hinsichtlich des störenden Verhaltens scheint für diesen Effekt keine Rolle zu spielen (Krämer & Zimmermann, under revisiona). In einer aktuellen Arbeit untersuche ich den Einfluss des Förderschwerpunkts Emotionale und Soziale Entwicklung auf die Urteilsgenauigkeit. Erste Ergebnisse zeigen, dass auch SuS mit einem solchen Förderschwerpunkt trotz gleicher Leistungen im Vergleich zu SuS ohne Förderschwerpunkt von Lehrkräften unterschätzt werden. Das methodische Vorgehen zur Überprüfung der Einflüsse dieser und weiterer Heterogenitätsaspekte auf die Urteilsgenauigkeit der Lehrpersonen wird in kontrollierten experimentellen Studien mittels eines simulierten Klassenraums umgesetzt. Dabei interagieren Versuchspersonen in einer kurzen Unterrichtseinheit mit computersimulierten SuS und werden im Anschluss gebeten, diese hinsichtlich verschiedener Leistungskriterien zu beurteilen. Folgestudien sind in Planung. Weiterhin sind Trainings für Lehramtsstudierende zum Bewusstmachen potenziell verzerrender Einflüsse bestimmter Merkmale der SuS auf die Leistungseinschätzung vorgesehen. Dazu sollen die Studierenden über die die Leistungsbeurteilung verzerrenden Effekte aufgeklärt und mittels des simulierten Klassenraums in ihrer Urteilsgenauigkeit trainiert werden.

Wirksamkeit von Inklusion auf Schülerinnen und Schüler

In bisherigen Studien zu Effekten von Inklusion auf SuS mit einem Förderschwerpunkt im Bereich Lernen zeichnen sich insgesamt kleine Leistungsvorteile bei den betroffenen SuS ab, wobei es auch zu kleinen negativen Effekten auf das schulische Selbstkonzept an inklusiven Schulen im Vergleich zu Förderschulen zu kommen scheint (im Überblick Möller, 2013). Für SuS ohne Förderbedarfe in inklusiven Schulen zeigten einzelne Studien leichte Vorteile bzw. keine bedeutsamen Nachteile auf psychosoziale Faktoren bzw. Schulleistungen (z.B. Rujis et al., 2010; Schwab, 2015). Eine systematische Integration der vereinzelten Befunde kontrollierter Studien, die die Effekte von Inklusion im Klassenraum mit geeigneten Vergleichsgruppen untersuchen, steht noch aus. Dazu arbeite ich derzeit an einer Meta-Analyse, also einer empirischen Übersichtsarbeit über bisherige Forschungsbefunde, zu leistungsbezogenen sowie psychsozialen Effekten von Inklusion auf SuS mit dem Förderschwerpunkt Lernen sowie auf SuS ohne Förderbedarf.

Evaluation inklusiver universitärer Lehre

Für die Vorbereitung auf einen inklusiven Unterricht werden zudem im Rahmen des Projekts LeaP@CAU inklusive Lehrsettings an der Hochschule gestaltet, an deren Evaluation ich wesentlich mitwirke. Dabei werden Bildungsfachkräfte – qualifizierte Menschen mit Behinderungen – des an die CAU angegliederten Instituts für Inklusive Bildung (IIB) in die Lehre eingebunden, um Kontaktmöglichkeiten herzustellen und Vorurteile bei den Lehramtsstudierenden abzubauen (vgl. Allport, 2000). Diese Maßnahme wird fortlaufend systematisch in Prä-Post-Follow-up-Designs mit Kontrollgruppen evaluiert. Erste Analysen zeigten nach der Intervention eine positivere Einstellung gegenüber Inklusion in der Experimentalgruppe (Studierende, die eine Sitzung mit den Bildungsfachkräften besucht haben) im Vergleich zur Kontrollgruppe (Studierende, die gewöhnliche Lehrveranstaltungen ohne Bildungsfachkräfte besucht haben). Zudem wurde eine hohe Akzeptanz der Sitzungen festgestellt und die Studierenden gaben mehrheitlich an, dass die Sitzung interessant war, neue Inhalte aufgenommen wurden, und dass sie sich sehr wohl gefühlt und Freude empfunden hatten (Krämer & Zimmermann, under revisionb).

 

Literatur

Allport, G. W. (2000). The nature of prejudice. In C. Stangor & C. Stangor (Hrsg.), Stereotypes and prejudice: Essential readings. (S. 20–48). New York, NY, US: Psychology Press.

Hochschulrektorenkonferenz und Kultusministerkonferenz (2015). Lehrerbildung für eine Schule der Vielfalt. http://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2015/2015_03_12-Schule-der-Vielfalt.pdf (Zugriff: 19.06.2018).

Krämer, S. & Zimmermann, F. (under revisiona). Zum Einfluss von störendem Schülerverhalten im Unterricht auf Beurteilungen von Schulleistungen: Explizite Einschätzungen und experimentelle Befunde.

Krämer, S. & Zimmermann, F. (under revisionb). Vorbereitung auf Inklusion in der Lehramtsausbildung unter Einbezug qualifizierter Menschen mit Behinderungen – Erste Ergebnisse einer Evaluationsstudie. In B. Brouer, J. Kilian, I. Petersen & A. Burda-Zoyke (Hrsg.), Verzahnung und Vernetzung in der Lehrerbildung an der CAU. Münster: Waxmann.

Möller, J. (2013). Effekte inklusiver Beschulung aus empirischer Sicht. In J. Baumert, V.Masuhr, J. Möller, C. Pluhar, H.E. Tenorth & R. Werning (Hrsg.), Schulmanagement-Handbuch Band 146 (S. 15–37). München: Oldenbourg.

Ruijs, N. M., Van der Veen, I. & Peetsma, T. T. (2010). Inclusive education and students without special educational needs. Educational Research, 52, 351–390.

Schwab, S. (2015). Social dimensions of inclusion in education of 4th and 7th grade pupils in inclusive and regular classes: Outcomes from Austria. Research in Developmental Disabilities, 43, 72–79.

Südkamp, A., Kaiser, J. & Möller, J. (2012). Accuracy of teachers’ judgments of students’ academic achievement: A meta-analysis. Journal of Educational Psychology, 104, 743–762.

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